Unsere Geschichte

In allen mittelalterlichen Städten hatte der Nachtwächter wichtige Aufgaben zu erfüllen. Galt es doch zum Einen während der Nacht nach Feinden Ausschau zu halten, die Stunden anzusagen und die Bürger, besonders in der Erntezeit frühmorgens zu wecken. Zum Anderen hatte er auf den Ausbruch eines Feuers zu achten. Da in jedem Haus eine offene Feuerstelle vorhanden war und die Häuser aus leichtbrennbarem Material gebaut waren, stellte Feuer jahrhundertelang eine der größten Gefahren für Dörfer und Städte dar. So wurde z. B. unsere Stadt Belecke am 13. April 1805, von einem Großfeuer heimgesucht, bei dem, von den 87 Häusern der Stadt, 57 verbrannten. Uns ist bekannt, dass zur alten Zeit die Tätigkeit als Nachtwächter nicht sehr begehrt war. Meistens waren es arme Leute. Sie gehörten zu den Außenseitern und Sonderlingen des Ortes. Ihre Entlohnung war karg, und somit konnten sie die Nachtwächtertätigkeit nur als Nebenerwerb betreiben. Andererseits jedoch war der Nachtwächter ein ganz wichtiges Glied in einer funktionierenden Dorfgemeinschaft. Obwohl er arm und von niedrigem Stand war, hatte er durch seine Tätigkeit viele Vorteile und Privilegien. So durfte der Nachtwächter beispielsweise im Wirtshaus am Tisch der Bauern und Bürger sitzen, mittrinken und an ihren Gesprächen teilnehmen.
In der Chronik der Stadt Belecke ist nachzulesen, dass der Rat der Stadt Belecke bereits am 14. Januar 1836 eine „Instruction für die Wachtmannschaften und Nachtswächter zu Belecke“ erlassen hat. Wie gewissenhaft diese Vorschriften genommen wurden, beweist eine Anzeige vom 28. April 1859 gegen den am 23. März 1859 eingestellten Nachtwächter Wilhelm Buddeus:
Zitat:
„Der Gendarm Schäfers zeigt an: Der Nachtwächter Buddeus aus Belecke habe am 4ten März des Nachts nicht um 10 Uhr in Belecke nicht gepfiffen und nicht anwesend in der Wachtstube gewesen. Der Nachtwächter ist zur Zahlung von 10 Silbergroschen bestraft worden und aus seinem Amt ausgeschieden.“
Zitat Ende

Durch unsere Erkundigungen und die Aussagen eines vor kurzem verstorbenen Zeitzeugen wissen wir auch vom letzten Nachtwächter in Belecke. Sein Name war Gödde, genannt Kärchhofers und sein Haus stand „Unterm Haane“ in der Nähe der heute noch als Rest zu sehenden alten Stadtmauer. Während seines Dienstes hielt er sich nachts in der Wachstube des Rathauses auf. Bei seinem Rundgang pfiff er auf einer großen Flöte und zeigte damit an, dass alles in Ordnung ist. Drohte irgendeine Gefahr, blies er kräftig auf seinem Horn. Mit Kärchhofers Tod im Jahre 1920 wurde die Stelle des Belecker Nachtwächters nicht wieder besetzt.

Auszug aus der „ Instruction für die Wachtmannschaften und Nachtswächter zu Belecke“:

§ 1
Nach Vorschrift der brandverhütenden Gesetze vom 7. August 1784,
2. Abschnitt, § 6, sollen in den Wintermonaten Oktober, November, Dezember, Januar, Februar und März sowohl die Wachtmannschaften als die Nachtswächter punkt 8 ½ Uhr auf der Wache anwesend sein; jede Verspätung wird mit 5 Silbergroschen, ein gänzliches Ausbleiben aber mit 1 Taler bestraft.

§ 2
Neun Uhr tritt der Nachtswächter auf die Straße und bläst auf den ihm angewiesenen Stationen mit dem ihm gegebenen Horn die Stunden in folgender Art:
9 Uhr durch einmaliges Blasen

10 Uhr durch 2-maliges Blasen

11 Uhr durch 3-maliges Blasen

12 Uhr durch 4-maliges Blasen

1 Uhr durch einmaliges Blasen

2 Uhr durch 2-maliges Blasen

3 Uhr durch 3-maliges Blasen

4 Uhr durch 4-maliges Blasen

Auf jeder Station, und erst dann, wenn der Nachtswächter nachdem er 4 Uhr geblasen und auf die Wache zurückgekehrt ist, auch die letzte Patrouille beendigt ist, kann die Wachtmannschaft abgehen.

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